"Stan the Man" und Bouchard spielen groß auf - auch Li und Berdych schaffen Halbfinaleinzug

Der neunte Turniertag hatte es in sich: Stanislas Wawrinka schlug Novak Djokovic, Eugenie Bouchard zwang Williams-Bezwingerin Ana Ivanovic in die Knie und trifft jetzt auf Na Li, die gegen Flavia Pennetta deutlich in zwei Sätzen gewann. Außerdem setzte sich Tomas Berdych im Duell mit dem Spanier David Ferrer durch. Auch aus deutscher Sicht gibt es Positives zu berichten

 

 

Von Jan Geißler

 

Schon im Vorfeld wurde das Spiel Wawrinka gegen Djokovic als "Match des Tages" angepriesen - absolut zu Recht, wie wir inzwischen wissen. Dieses Mal allerdings mit dem besseren Ende für den Schweizer, der sich im vergangenen Jahr gleich zweimal erst im fünften Satz eines Grand-Slam-Viertelfinals dem Serben geschlagen geben musste. Genau vor einem Jahr verlor "Stanimal", wie er inzwischen in Melbourne genannt wird, nach etwas mehr als fünf Stunden mit 10:12 im Entscheidungssatz. Und auch in New York hatte am Ende eines wahren Tenniskrimis nur Djokovic etwas zu lachen. Dieses Mal gelang Wawrinka nun die Revanche. Im 18. Duell mit Djokovic feierte er seinen erst dritten Sieg und konnte sein Glück anschließend kaum fassen: "Ich habe immer gekämpft, ich habe es immer versucht. Und heute Nacht habe ich gewonnen. Ich könnte kaum glücklicher sein."

 

Mit seiner starken einhändigen Rückhand dominierte Wawrinka die Ballwechsel. Djokovic hielt zwar lange dagegen, doch er hatte heute nicht seinen besten Tag erwischt. Und so war es fast schon symbolisch, dass ein einfach verschlagener Volley das Aus für ihn besiegelte. Nach genau vier Stunden Spielzeit hieß es aus Sicht des Serben 6:2, 4:6, 2:6, 6:3, 7:9. "Er hat seine Chancen genutzt, er verdient den Sieg", sagte ein enttäuschter Djokovic nach dem Spiel. Zuvor hatte er in Melbourne drei Titel in Serie gewonnen und war seit den US Open im vergangenen Jahr ungeschlagen.

 

Trotz des eher enttäuschenden Starts der Zusammenarbeit mit Boris Becker will der Weltranglistenzweite die Arbeit mit dem dreimaligen Wimbledonsieger fortführen. "Es war das erste offizielle Turnier für uns. Natürlich ist es unglücklich, dass es schon im Viertelfinale zu Ende gegangen ist. Aber es war ja nur der Start in die Saison", verteidigte Djokovic seinen deutschen Trainer.

 

Bouchard erste Kanadierin im Halbfinale der Australian Open - Li marschiert

 

Für eine weitere Überraschung sorgte die erst 19-jährige Eugenie Bouchard. Auch sie steht im Halbfinale der Australian Open und ist damit die erste Kanadierin überhaupt, der dies gelang. Im sogenannten "Beauty"-Gipfel setzte sie sich gegen Ana Ivanovic, die im Achtelfinale noch die amerikanische Weltranglistenerste Serena Williams bezwungen hatte, mit 5:7, 7:5 und 6:2 durch. Die Serbin konnte das gesamte Match über nicht an die Leistung ihres Achtelfinal-Coups anknüpfen und musste nach 2:24 Stunden mit ansehen, wie Bouchard dank ihres 47. Winners ihren ersten Matchball verwandelte. „Mein Trainer hat einfach gesagt, ich solle es genießen. Und das habe ich getan", sagte die Weltranglisten-31., die 2013 als "Newcomerin des Jahres" ausgezeichnet wurde.

 

Sollte es für die aus Montreal kommende Bouchard noch ein Stücken weitergehen, dann wäre sie die erste Teenagerin seit Caroline Wozniacki, die den Einzug in ein Grand-Slam-Finale geschafft hat. Davor wartet jedoch noch das Halbfinalduell mit der Chinesin Na Li.

 

Die 31-Jährige machte mit der um einen Tag älteren Italienerin Flavia Pennetta im zweiten Damen-Viertelfinale des Tages kurzen Prozess und gewann in nur 67 Minuten mit 6:2, 6:2. „Ich weiß nicht, was heute passiert ist. Ich habe so gut gespielt und mich sehr gut auf das Match vorbereitet", erklärte die Chinesin. Sie setzt damit ihre guten Ergebnisse in der australischen Metropole fort. Allein in den letzten fünf Jahren hat sie sich vier Mal für die Vorschlussrunde qualifiziert.

 

Im Halbfinale ist sie gegen die junge Kanadierin die klare Favoritin. Schließlich hatte sie auch den bislang einzigen Vergleich für sich entschieden. Bei Bouchards' Heimturnier in Montreal gewann Li 2012 mit 6:4, 6:4.

 

Berdych behält gegen Ferrer die Oberhand

 

In einem umkämpften Spiel hat der Tscheche Tomas Berdych den Weltranglistendritten David Ferrer aus Spanien in die Knie gezwungen. Nach knapp drei Stunden Spielzeit verwandelte er den Matchball zum 6:1, 6:4, 2:6, 6:4 - Erfolg. Er trifft nun in seinem ersten Halbfinale in Melbourne auf Djokovic-Bezwinger Wawrinka.

 

Für Berdych ist es ein historischer Erfolg. Neben den "Big-Four" (Nadal, Federer, Djokovic und Murray) ist er nun der einzige aktive Spieler, der bei allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens den Einzug ins Halbfinale geschafft hat. Außerdem war es sein allererster Erfolg in der Rod-Laver-Arena. Dementsprechend groß war die Erleichterung nach dem Spiel: „Es ist körperlich immer extrem taff gegen David, und als ich den dritten Satz verloren und nicht gut gespielt habe, habe ich dann versucht, bei jedem Punkt fokussiert zu sein."

 

Zverev beißt sich bei den Juniors durch

 

Erfreuliches gibt es auch für die deutschen Tennisfans. Alexander Zverev, der aktuell die Weltrangliste der Junioren anführt und bei den Australian Open an Position eins gesetzt ist, hat sich in seinem Zweitrundenmatch gegen den Japaner Ryotero Matsumura nach 2:48 Stunden mit 4:6, 6:2, 9:7 durchgesetzt. Teilweise war er dabei nur zwei Punkte vom Ausscheiden entfernt. Letztendlich meisterte der jüngere Bruder von Tennisprofi Mischa Zverev die Situation jedoch bravourös.

 

„Ich dachte schon, dass ich raus bin aus dem Turnier. Es ist ein Grand Slam, hier können alle Tennis spielen. Derjenige, der am meisten daran glaubt, gewinnt auch letztendlich. Ich habe heute nicht mein bestes Tennis gespielt, daher bin ich glücklich, dass ich durchgekommen bin. Ich hoffe, dass ich morgen besser spielen kann als heute", kommentierte der 16-Jährige seinen Zittersieg gegenüber tennisnet.com. Im morgigen Achtelfinale trifft er nun auf den an Position 15 gesetzten Brasilianer Marcelo Zormann.

 

Auch im Doppel ist der junge Hamburger noch vertreten. Gemeinsam mit seinem russischen Partner Andrey Rublev gewann er im Achtelfinale gegen das australisch-neuseeländische Doppel Anderson/Klintcharov mit 6:4 und 6:2.

 

Info:

Den Fahrplan für die morgigen Viertelfinalspiele findet ihr gegen 22 Uhr auf unserer Facebook-Seite.

 

 

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