Für die Deutschen hat es sich ausgespielt - auch Serena Williams ist raus

Bei den Australian Open in Melbourne ist Halbzeit. Mit dem Duell zwischen Wawrinka und Robredo ist die erste ereignisreiche Woche gerade zu Ende gegangen. Aus deutscher Sicht war Tag sieben leider kein sonderlich erfolgreicher. Sowohl in der Einzel- als auch in der Doppelkonkurrenz haben sich die letzten verbliebenen deutschen Spieler verabschiedet. Aber auch bei den Topstars erwischte es einen prominenten Namen.

 

Kann ihr Glück kaum fassen - Ana Ivanovic wirft die große Favoritin Serena Williams aus dem Turnier. (Bild: http://www.leparisien.fr/images/2014/01/19/3508221_MEL2339--429847-01-02.jpg)
Kann ihr Glück kaum fassen - Ana Ivanovic wirft die große Favoritin Serena Williams aus dem Turnier. (Bild: http://www.leparisien.fr/images/2014/01/19/3508221_MEL2339--429847-01-02.jpg)

 

Von Jan Geißler

Es war ein durchwachsenes Turnier für unsere deutschen Tennisspieler und so richtig überzeugen konnte eigentlich keiner. Dies zeigt allein die Tatsache, dass bereits zur Halbzeit des Turniers ein Fazit gezogen werden kann. Von den ursprünglich 18 gestarteten Spielern gelang nur sieben der Einzug in die zweite Runde, drei zogen in die dritte Runde ein und im Achtelfinale waren es schließlich nur noch zwei - Angelique Kerber bei den Damen und überraschenderweise Florian Mayer bei den Herren. Beide haben sich jedoch heute aus dem Turnier verabschiedet.

Kerber und Mayer kämpfen vergeblich

Die Weltranglistenneunte aus Kiel musste sich mit 1:6, 6:4, 5:7 der 31-jährigen Italienerin Flavia Pennetta geschlagen geben und konnte dabei nur äußerst selten ihr bestes Tennis zeigen. Speziell der eigene Aufschlag bereitete ihr über die gesamte Spielzeit große Probleme. Aber auch Pennetta hatte einen entscheidenden Anteil daran, dass es am Ende nicht für einen deutschen Sieg gereicht hat. "Sie hat unglaublich angefangen und alles getroffen. Ich habe mich reingekämpft und hatte im dritten Satz meine Chancen", sagte Kerber, die aber dennoch zufrieden war mit ihrer Leistung: "Ich habe alles gegeben und kann mir nicht viel vorwerfen." Sie werde auf jeden Fall mehr Positives, als Negatives von ihrer Ozeanien-Tour mitnehmen.

Ebenfalls nicht belohnt wurde der Kampf von Florian Mayer. Der Bayreuther unterlag im Achtelfinale dem Weltranglistendritten David Ferrer aus Spanien mit 7:6 (7:5), 5:7, 2:6 und 1:6. Zum ersten Mal im Achtelfinale in Melbourne, fehlten dem Deutschen am Ende einer kräfteraubenden Woche, die von den hohen Temperaturen bestimmt war, schlichtweg die Kräfte, um den favorisierten Ferrer ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. "Man hat sicherlich gesehen, dass ich nach zwei Sätzen deutlich müder wurde. Die Matches zuvor steckten mir doch in den Beinen und David ist einfach einer der absolut fittesten Spieler", erklärte Mayer. Nach etwas Regeneration erwartet den 30-Jährigen im Davis-Cup das Erstrunden-Duell gegen die Spanier. Wie er nach seiner Niederlage erfuhr, aber wohl ohne seinen heutigen Gegner. "Ich habe ihn gefragt, ob er spielt. Er hat gesagt. 'Mit Sicherheit nicht''", so Mayer.

Serena Williams raus, Bouchard und Na Li souverän

Zwar ist Serena Williams seit diesem Jahr die Spielerin mit den meisten gewonnenen Matches bei den Australian Open, doch musste sie sich auch in diesem Jahr wieder im Achtelfinale geschlagen geben. Was im vergangenen Jahr der Russin Ekaterina Makarova gelungen war, vollbrachte in der vergangenen Nacht Ana Ivanovic aus Serbien. Nach verlorenem ersten Satz kämpfte sich die ehemalige Nummer eins der Welt zurück und entschied das Match am Ende mit 4:6, 6:3, 6:3 für sich. Wie Williams nach Spielende jedoch verlauten ließ, sei sie aufgrund einer Rückenverletzung nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte gewesen und stand zeitweise sogar kurz vor der Aufgabe. Eine Ausrede solle dies jedoch nicht sein.

Die aus Belgrad stammende Ivanovic trifft nun im Viertelfinale auf die erst 19-jährige Kanadierin Eugenie 'Genie' Bouchard, die im ersten Spiel der Nightsession den Hoffnungen der australischen Fans ein jähes Ende setzte. Casey Dellacqua war die letzte verbliebene Australierin im Turnier, musste sich nun jedoch der "Newcomerin des Jahres 2013" nach gewonnenem ersten Satz relativ deutlich mit 7:6 (7:5), 2:6, 0:6 geschlagen geben. Für Bouchard ist es bei ihrer erst vierten Teilnahme an einem Grand-Slam-Turnier das erste Viertelfinale.

Noch souveräner marschierte die chinesische Nationalheldin Na Li ins Viertelfinale. Gegen die letztjährige Williams-Bezwingerin Makarova aus Russland hatte sie bei ihrem 6:2, 6:0-Erfolg keinerlei Probleme und untermauerte ihren Favoriten-Status eindrucksvoll. Das Ausscheiden der US-Amerikanerin Williams dürfte ihr ganz Recht sein. Schließlich musste sie sich ihr in den vergangenen Jahren in den wichtigen Spielen relativ häufig geschlagen geben. Nun ist der Weg frei. Ob sie die Chance nutzen kann, bleibt abzuwarten.

Djokovic, Berdych und Wawrinka in drei Sätzen

Der Begriff "problemlos" fasst die von Novak Djokovic gezeigte Leistung ganz gut zusammen. Mit 6:3, 6:0, 6:2 fertigte er den Italiener Fabio Fognini vor den rund 12.000 Fans in der Rod-Laver-Arena ab und machte somit den Einzug ins Viertelfinale perfekt. Standesgemäß ohne einen einzigen Satzverlust. Es erweckte fast den Eindruck, als sei er in seinem Spiel nicht genug gefordert worden und so nahm der Serbe nach Spielende noch seinen Coach Boris Becker auf die Schippe und parodierte dessen Aufschlagbewegung. Anschließend rief er dem sechsmaligen Grand-Slam-Sieger zu: "So hast du das in deinen besten Tagen gemacht."

 

 

Im Viertelfinale wartet nun - wie schon so oft in den vergangenen Jahren - der Eidgenosse Stanislas Wawrinka. Dieser bezwang den spanischen Altmeister Tommy Robredo  in einem umkämpften Match souverän mit 3:0 Sätzen. 6:3, 7:6 (7:3), 7:6 (7:5) hieß es am Ende aus Sicht des Schweizers, der alles in allem über die gesamte Match-Distanz der dominierende Mann war und insgesamt 22 Punkte mehr machte. Das Duell mit Djokovic sollte nun die erste richtige Prüfung des Turniers werden. Zugutekommen könnte ihm hierbei kommen, dass er im bisherigen Turnierverlauf insgesamt weniger Zeit auf dem Platz verbracht hat. Sein Drittrundenspiel musste er nämlich gar nicht bestreiten, da sein Gegner, der Kanadier Vasek Pospisil, wegen einer Verletzung nicht antreten konnte. Was sich aber auf alle Fälle schon einmal voraussagen lässt: Wird es ein annähernd so gutes Spiel wie die beiden letzten (Australian Open/US Open im vergangenen Jahr), dann hat es durchaus Potenzial das "Spiel des Turniers" zu werden.

Der letzte Herr, der am heutigen Sonntag erfolgreich im Einsatz war, ist Tomas Berdych. Der Tscheche hatte mit dem hochgewachsenen Südafrikaner Kevin Anderson keine Schwierigkeiten und spazierte leicht und locker ins Viertelfinale. 6:2, 6:2 und 6:3 stand am Ende auf der Anzeigetafel der Margaret Court Arena. Er bekommt es nun mit Mayer-Bezwinger David Ferrer zu tun.

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