Und das ist gut so

Sebastian Koch befasst sich mit dem Coming-Out von Thomas Hitzlsperger und sieht Paralellen zu Robert Enke.

 

"Thomas Hitzlsperger ist schwul". Diese vier Worte haben heute Vormittag ein ganzes Land, nein: eine ganze Gesellschaft, aufhorchen lassen. Dabei sollte es doch eigentlich ganz normal sein - ein Mann bekennt sich öffentlich zu seinen Gefühlen. Das haben vor Hitzlsperger Millionen andere Deutsche auch schon gemacht, darunter hochrangige Politiker, Musiker und Schauspieler.

 

Nur der Profifußballer sollte, so das Wunschdenken von einer immer noch sehr großen Fanschar, eine Insel sein, in der die Homosexualität außen vor ist. Rein statistisch ist das schon sehr unwahrscheinlich und nun hat so manch ein Andersdenkender mit Thomas Hitzlsperger den lebenden Beweis dafür, dass es auch im Fußball solche und solche gibt und immer geben wird.

 

Hitzlsperger gebührt für den Mut, den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen, großer Respekt und Anerkennung - auch, und das ist wohl leider die traurige Realität, wenn er wohl genau das Gegenteil aus bestimmten (Fan)Kreisen erleben wird. Ein Umstand, der dem gebürtigen Münchner wohl bewusst ist.

 

So fällt es doch auf, dass "Hitz" mit dem Geständnis erst nach dem definitiven Ende seiner Karriere an die Öffentlichkeit geht. Über die möglicherweise auch privaten Gründen lässt sich dabei nur spekulieren und doch ist klar, dass der Profifußball einen aktiven schwulen Kicker wohl nicht geduldet hätte. Hitzlsperger weiß das - und jeder andere wohl auch. Da lehne ich mich auch nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass Hitzlsperger auch als Trainer und Funktionär (leider) nicht mehr auf die Fußballbühne zurückkehren wird und das wohl auch nicht will.

 

Hitzlsperger hat mit seinem Geständnis die Tür für ein Tabuthema im Fußball und in Teilen der Gesellschaft weit aufgestoßen. Die Hoffnung lebt, dass sich weitere Profis aus den oberen Fußballklassen dem Beispiel Hitzlspergers anschließen und darunter auch Aktive "Farbe bekennen". Leider muss für den Anstoß für solche Tabuthemen immer eine Karriere geopfert werden, wie unter anderem auch das Beispiel Robert Enke gezeigt hat. Da war es sogar ein Menschenleben.

 

Und dennoch bleibt zu befürchten, dass Hitzlsperger eine Ausnahme ist und die Homosexualität  - im Vergleich zu Depression und Burn-out - ein Tabuthema bleiben wird. Doch nicht nur der deutsche Profifußball, sondern die gesamte Fußballwelt, hat in Thomas Hitzlsperger, der in seiner Karriere in der englischen Premier League, der italienischen Serie A und der Bundesliga gespielt hat, nun ein Symbol und ein Gesicht für die Homosexualität gefunden, welches europaweit bekannt sein dürfte. Nun muss der nächste Schritt folgen.

 

Hitzlsperger sagte im Interview mit der "Zeit", dass er "

die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen möchte." Das Ziel hat  der 52-malige Nationalspieler schon nach wenigen Stunden erreicht - und das ist gut so.

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Kommentare: 1
  • #1

    Hanna Schwichtenberg (Mittwoch, 08 Januar 2014 16:16)

    Ein mutiger Schritt, der vielleicht die Diskussion wirklich weiter voranbringt und viel Respekt verdient. Irgendwann sollte das keine Rolle mehr spielen, dann haben wir Toleranz gelernt!