Das Tennisjahr 2014 im Ausblick

„Spiel, Satz und Tor“ wagt einen Blick in die Zukunft und zeigt, mit welchen Spielern in der kommenden Saison zu rechnen ist und wer Rafa Nadal, Serena Williams & Co. ärgern kann.

(jg). Passend zum Jahreswechsel wurde auch die neue Saison im Profitennis eingeläutet. Da stellt sich natürlich die Frage: Welcher Topstar wird wie erfolgreich sein? Wer könnte eventuell dazwischenfunken und somit die Tenniswelt überraschen? Und welchen Youngster sollte man unbedingt auf der Rechnung haben? „Spiel, Satz und Tor“ wagt einen Blick in die Zukunft.

 

 

Die Topstars der Tour:

 

Zwar kann man bei den Männern spätestens seit der letzten Saison nicht mehr unbedingt von den „Großen Vier“ sprechen, doch werden zumindest drei dieser einst als unbesiegbar geltenden vier Spieler weiterhin um die ganz großen Titel mitspielen und somit die Topstars der ATP-Tour bleiben. Gemeint sind natürlich Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray, die auch schon in der vergangenen Saison die Grand-Slam-Siege unter sich aufgeteilt haben. Dabei holte Djokovic den Titel bei den Australian Open und beim Masters, Nadal krönte sein Comeback mit dem Triumph bei den French Open und den US Open in New York und Andy Murray wurde durch seinen Wimbledon-Triumph zum Nationalhelden Großbritanniens.

 

Und auch für die neue Saison gilt meiner Meinung nach: Wer ein Grand-Slam-Turnier gewinnen will, wird nicht daran vorbeikommen, sich zumindest mit einem dieser drei Ausnahmeathleten im Finale zu duellieren. Alles andere erscheint mir unrealistisch. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die Weltelite in den vergangenen Jahren viel enger zusammengerückt ist. Dies zeigt nicht zuletzt der Einbruch eines Roger Federer, der in der Weltrangliste eigentlich seit gefühlten 50 Jahren unter den ersten vier der Welt stand und im abgelaufenen Jahr bis auf Position sechs, teilweise sogar Platz sieben, durchgereicht wurde. Die Konkurrenz schläft nicht und so gibt es genügend Spieler, die nur darauf warten, dass einer der drei ganz Großen patzt, um deren Fehler eiskalt auszunutzen.

 

Etwas anders ist die Situation auf der Damentour. Mit Serena Williams, Viktoria Azarenka, Li Na und mit Abstrichen auch Maria Sharapova stehen hier die überragenden Spielerinnen der vergangenen Saison ganz oben im Ranking. Und es ist nur schwer vorstellbar, dass sich daran so schnell etwas ändert. Zu dominant war speziell das Auftreten der US-Amerikanerin Williams im vergangenen Jahr, die neben den beiden Grand-Slam-Titeln in Paris und New York zum Jahresende auch noch das Masters für sich entscheiden konnte. Die einzigen Spielerinnen, die zumindest teilweise Schritt halten konnten, waren die bereits angesprochenen drei: Azarenka mit ihrem Triumph bei den Australian Open und dem Finale bei den US Open, Li Na mit dem Finaleinzug in Melbourne sowie beim Masters und Sharapova mit immerhin einem Grand-Slam-Finale bei Roland Garros. Einzige Ausnahme war das Turnier von Wimbledon, wo viele der Topfavoriten schon früh die Segel streichen mussten. Trotzdem wird es auch bei den Damen spannend zu sehen sein, ob es nicht doch einer der vermeintlich schwächeren Spielerinnen gelingt, die Dominanz der Topleute zu durchbrechen.

 

 

Mögliche Überraschungen:

 

Wie oben erwähnt, gibt es bei den Herren einige Spieler, die nur darauf warten, endlich auch mal im Rampenlicht stehen zu können. Und meiner Meinung nach stehen die Chancen derzeit gar nicht so schlecht. Das Weltniveau ist hoch und an einem guten Tag kann jeder jeden schlagen. Einer dieser Kandidaten ist David Ferrer. Bisher häufig nur müde belächelt, hat er in den vergangenen zwei Jahren gezeigt, dass er durchaus in der Lage ist, Nadal & Co. zu ärgern. Auch wenn seine derzeitige Weltranglistenposition (Dritter) hauptsächlich auf die längere Verletzungspause von Andy Murray zurückzuführen ist, spielt der kleine Spanier ein mehr als ansehnliches Tennis und hätte es inzwischen durchaus verdient, auch mal ganz oben zu stehen. Ein weiterer möglicher Überraschungsmann ist der Argentinier Juan-Martin del Potro. Ihm war es 2009 schon einmal gelungen den Bann der vier Topleute zu durchbrechen, als er im Finale der US Open gegen Roger Federer einen wahren Tenniskrimi für sich entscheiden konnte. Er scheint seine lange Leidenszeit endgültig hinter sich gelassen zu haben und ist für mich durchaus einer, der bei der Titelvergabe bei den Grand-Slams ein Wörtchen mitreden kann. Hinzu kommen Tomas Berdych und Jo-Wilfried Tsonga, sowie der 2013 stark aufspielende Stanislas Wawrinka und nicht zu vergessen Altmeister Roger Federer. Letzterer hat laut eigener Aussage eine sehr intensive Vorbereitung absolviert– gemeinsam mit seinem neuen Teilzeit-Coach Stefan Edberg. Des Weiteren will er es noch einmal mit dem größeren Schlägermodell versuchen. Alles in allem sind einige Spieler in der Lage den ganz großen Wurf zu landen und ich glaube, man kann sich auf die neue Saison freuen. Es wird spannend.

  

Dass bei den Frauen durchaus auch eine Serena Williams einen schlechten Tag erwischen kann, haben wir im vergangenen Jahr in Wimbledon gesehen. Damals musste sie sich Sabine Lisicki geschlagen geben und bereits verhältnismäßig früh die Koffer packen. Trotzdem ist und bleibt es eine Seltenheit, dass die Großen der WTA-Tour patzen. Sollte es doch einmal zu einer Überraschung kommen, dann sehe ich für diese Saison die Polin Agnieszka Radwanska, die wiedererstarkten Caroline Wozniacki und Jelena Jankovic, aber auch die Kielerin Angelique Kerber am ehesten dazu in der Lage, für diese zu sorgen. Auch nicht vergessen, sollte man natürlich Simona Halep aus Rumänien, die in der vergangenen Saison immerhin sechs Titel gewinnen konnte, sich bis auf den elften Weltranglistenplatz vorgearbeitet hat und zum Jahresende als „Aufsteigerin des Jahres“ geehrt wurde.

 

 

Newcomer:

 

Wenn es um die Newcomer geht, dann ist oft die Rede von Grigor Dimitrov und Bernard Tomic. Beide werden seit Jahren als die ganz großen Nachwuchshoffnungen gehandelt, blieben aber bisher hinter ihren Erwartungen zurück. In den Top50 der Welt konnten sich zwar sowohl der Bulgare Dimitrov als auch der aus Australien kommende Tomic etablieren. Wenn es jedoch wirklich einmal darauf ankam, in Drucksituationen Topleistungen zu zeigen, konnten sie aufgrund der Unerfahrenheit nur selten ihr ganzes Potenzial abrufen. Mir erscheint es jedoch realistisch, dass sich dieser Zustand in der kommenden Saison ändert. Speziell für Tomic wäre ein erfolgreicher Auftritt bei seinem Heimturnier, den Australian Open, enorm wichtig und könnte für einen wichtigen Aufschwung sorgen. Ebenfalls auf dem Zettel haben, sollte man den US-Amerikaner Ryan Harrison, der in der vergangenen Saison an guten Tagen schon gezeigt hat, was alles in ihm steckt. Derzeit auf Platz 100 in der Weltrangliste, traue ich ihm einen großen Sprung zu. Des Weiteren hat unser Nachbarland Österreich mit Dominik Thiem nach langer Durststrecke endlich wieder einen Spieler, der vom Talent her durchaus in die Fußstapfen eines Thomas Muster oder Jürgen Melzer treten kann. Der gerade einmal 20-Jährige steht bereits auf Weltranglistenposition 139. Tendenz eindeutig steigend.

 

Betrachtet man die Damen-Weltrangliste, so fällt auf, dass sich bereits einige U20-Spielerinen unter die Top100 gespielt haben. Angeführt von der 19-jährigen Eugenie Bouchard, welche als „Newcomerin des Jahres 2013“ ausgezeichnet wurde, folgen die gleichaltrigen Laura Robson aus Großbritannien und die Deutsche Annika Beck. Alle drei haben in der Vorsaison bereits mit guten Leistungen aufhorchen lassen und gehören derzeit zu den besten 50 Spielerinnen der Welt. Speziell die Kanadierin Bouchard zeigte in der zweiten Saisonhälfte streckenweiße starkes Tennis und steht somit absolut zu Recht auf Platz 32 der Weltrangliste. Es wird mit Sicherheit spannend zu sehen sein, wie weit nach oben es für dieses Trio in der kommenden Saison noch gehen kann. Auf kurz oder lang sehe ich alle drei unter den besten zehn bis fünfzehn Spielerinnen weltweit.

 

Dazu gesellen sich Anna Schmiedlova aus der Slowakei und die mit ihren erst 17 Jahren jüngste Spielerin in den Top100, die Kroatin Donna Vekic. Letztere wird bereits als der neue Superstar des Damentennis gehandelt. Auch weil sie in ihren jungen Jahren bereits zwei Finalteilnahmen aufweisen kann. 

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