Eine Chance für Becker, Djokovic - und Matthäus

Sebastian Koch kommentiert das Trainerengagement von Boris Becker

Was war das für eine Enttäuschung, mit der Boris Becker am Samstag die Zuschauer in Live-Show von "Wetten, dass...?" empfing. Im Vorfeld des Fernsehklassikers hatte Becker getwittert, er werde allen Zuschauern eine große Überraschung verkünden. Natürlich stürzten sich Boulevardblätter aus allen Ecken der Republik auf das Thema und spekulierten über neuen Nachwuchs, eine Trennung oder sonstige Katastrophen im Hause Becker.

Als der 46-Jährige dann zugab, er habe keine Überraschung zu vermelden, war auf der einen Seite die Enttäuschung darüber groß und auf der anderen Seite das ZDF am Pranger, man habe Becker ausgenutzt, um Einschaltquoten in die Höhe zu treiben. Sportblätter hielten sich bei den Diskussionen gänzlich raus.

 

Das war bezeichnend:

Becker, der Mann, der nach einer großen Tenniskarriere mehr und mehr zum Junkie der Boulevardmedien verkommen war.

Becker, der noch vor wenigen Wochen sich mit einem "Tweef" mit Oliver Pocher zum Gespött der Republik machte und es damit sogar bis ins "ZDF heute-journal" brachte, das einen wenig charmanten und sehr besorgten Beitrag zum gesellschaftlichen Abstieg Beckers sendete.

Becker, der zweifelsohne für den deutschen Sport so viel erreicht hat und doch nach seiner Karriere immer mehr belächelt und verschaukelt als gewürdigt wurde.

 

Dieser Mann trainiert ab sofort Novak Djokovic - den, mit Rafael Nadal zusammen, zur Zeit besten Tennisspieler auf diesem Planeten. Da kommt zwangsläufig die Frage auf, ob denn heute schon der 1. April ist?

 

Nun, was sich Djokovic von dem Engagement Beckers verspricht, darüber darf munter gerätselt werden. Und dennoch ist eines klar: Djokovic ist ein Perfektionist, er ist ehrgeizig und erfolgreich. Der Serbe verehrt Becker, das wurde auf der heutigen Pressekonferenz klar - und der "Djoker" wird wissen, was Becker ihm geben kann. Für ihn ist es die Chance, mit einem seiner Vorbilder zusammenzuarbeiten und Becker kann beweisen, dass er mehr kann, als dem Boulevard wöchentlich neue Geschichten zu liefern.

 

Der 46-Jährige ist ein Tennisfachmann, das steht außer Frage. Er bewies das als Aktiver und später als Experte für verschiedene TV-Sender. Sein Privatleben ist eine Baustelle, das Tennis die andere. Und eines ist wohl sicher: Djokovic hat einen Trainerwechsel nicht unbedingt nötig gehabt und er wird sich deshalb etwas dabei gedacht haben, Becker als neuen Cheftrainer zu engagieren.

 

Ganz nebenbei könnte im Übrigen auch Lothar Matthäus von dem neuen Job Beckers profitieren. Auch Matthäus wurde nach seiner Karriere mehr belächelt als gewürdigt und vielleicht beweist Becker mit Djokovic zusammen, dass Privates und Berufliches doch zwei Dinge sind. Die Bundesligisten sollten dieses Tennis-Verhältnis genau beobachten und vielleicht bekommt dann auch Matthäus endlich eine Chance, Bundesliga-Trainer zu werden.

 

Der Gewinner dieses Tages steht aber jetzt schon fest: Boris Becker. Vielleicht bekommt er nun doch endlich die Anerkennung, die er verdient hat. Und ganz nebenbei löst er sein Versprechen ein, eine Überraschung zu verkünden. Wenn auch vier Tage später als gedacht. Doch das sei ihm verziehen...

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