Nächstes Torfestival in München? / Bleiben Mönchengladbach und Wolfsburg dran?

Sebastian Koch blickt auf den 16. Bundesliga-Spieltag voraus und wirft dabei einen besonderen Blick auf München gegen Hamburg, Mönchengladbach gegen Mainz und Wolfsburg gegen Stuttgart.

(seko).  Fünf aus Sechs - die deutsche Europapokalbilanz kann sich nach den Vorrunden in der Champions League und Europa League durchaus sehen lassen. Bis auf den SC Freiburg haben alle Vereine den Sprung in die erste K.O.-Runde geschafft. Besonders das Quartett in der Champions League sticht dabei heraus, schließlich standen noch nie zuvor vier deutsche Teams in der Königsklasse im Achtelfinale. Die Frankfurter Eintracht rundet das positive Ergebnis in der Europa League ab.

Nichtsdestotrotz steht auch an diesem Wochenende wieder die Bundesliga auf dem Programm und wir dürfen gespannt sein, wie sich die Europapokalteilnehmer nach dieser durchaus turbulenten Woche wieder in den Alltag einfinden werden.

In unserer Spieltagsvorschau spielen dabei die Bayern als einziger Europapokalteilnehmer eine Rolle. Die Münchner erwarten den Hamburger SV zum Klassiker. Außerdem besprechen wir zwei Verfolgerduelle näher.

 

FC Bayern München - Hamburger SV (Sa, 15.30 Uhr)

Es gab Zeiten, da war der "Nord-Süd-Schlager" noch ein richtiges Spitzenspiel, bei dem es um mehr als nur um drei Punkte ging. Meisterschaft oder der Europapokal der Landesmeister waren damals die bestimmenden Themen im Vorfeld der Begegnung. Der Europapokal der Landesmeister existiert als solcher schon gar nicht mehr und von der Meisterschaft ist der HSV zurzeit so weit entfernt,, wie die Ukraine in diesen Tagen von der EU.

Man hat den Eindruck, dass das vorherrschende Thema vor diesem Spiel vor allem das ist, wie hoch der Sieg der Münchner am morgigen Samstag denn ausfallen wird. Kein Wunder, schließlich wurden die Hamburger in den letzten Jahren in der bayerischen Landeshaupstadt regelmäßig - und nein: das ist keine Übertreibung - verprügelt. Dem legendären 2:9 in der Vorsaison gingen ein 0:5 und ein 0:6 in den beiden Vorjahren voraus.

Nein, für die Hamburger gab es in den letzten Jahren in München wahrlich nicht viel zu holen und die Chancen, dass sich das in diesem Jahr ändert, sind wohl nicht besonders groß. Trainer Bert van Marwijk hat zu allem Überfluss auch noch mit Personalproblemen zu kämpfen und muss auf Torwart René Adler verzichten, der an einer Sprunggelenksverletzung laboriert. Für ihn wird der Tscheche Jaroslav Drobný sein Comeback zwischen den Pfosten der Hamburger geben. Des Weiteren fehlen dem Tabellen-13. der zuletzt starke Maximilian Beister (Gelbsperre) und Ivo Ilicevic (private Probleme). Offen ist auch, ob Kapitän Rafael van der Vaart nach dem Drama um sein ungeborenes Kind wieder zur Verfügung stehen wird. Zuletzt wurde allerdings vermehrt von einer Spielteilnahme des Holländers ausgegangen.

Doch die personellen Probleme sollen nicht als Alibi dienen und so stellt der Ex-Münchner Marcell Jansen klar: "Wenn es uns nur um Schadensbegrenzung ginge, dürften wir nicht hinfahren. Wir müssen die letzten Ergebnisse aus dem Kopf kriegen und mit einer Portion Spaß und Frechheit antreten."

Denn, das die Bayern auch in dieser Saison zu schlagen sind, bewies unter der Woche Manchester City beim 3:2-Erfolg in der Münchner Allianz-Arena. Umso spannender wird der Aufritt der Münchner erwartet. Die können sich mit einem Sieg  bereits die inoffizielle Herbstmeisterschaft sichern und beruhigt zur Klub-WM nach Marokko reisen. Für die Bayern ist es im Übrigen das letzte Bundesliga-Spiel in diesem Kalenderjahr, denn wegen besagter Klub-WM wurde das 17. Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart auf Ende Januar verschoben.

Verzichten müssen die Bayern nach wie vor auf Arjen Robben und Bastian Schweinsteiger, sowie auf den gelbgesperrten Jérôme Boateng. Für Boateng wird wohl Daniel van Buyten ins Abwehrzentrum rücken. Ansonsten kann Coach Pep Guardiola wohl aus dem Vollen schöpfen und dürfte darauf brennen, seinen Bundesligastartrekord auf 16 ungeschlagene Spiele ausbauen zu können.

Doch vielleicht ist genau die sich am Dienstag abzeichnende bayerishe Zufriedenheit die Chance der Hamburger - wer hätte schließlich gedacht, dass Manchester City in München einen 0:2-Rückstand noch drehen kann?

 

Tipps der SSUT-Redakteure:
Sebastian Koch (seko): 4:0

Markus Schulze (ms): 7:0

Tobias Reith (tr): 3:0

Jan Geißler (jg): 4:0

 

FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach (Sa, 15.30 Uhr)

So richtig wissen die Anhänger von Mainz 05 noch nicht, was sie von der bisherigen Saison eigentlich halten sollen. Die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel steht momentan zwar auf einem guten achten Tabellenplatz in Schlagdistanz zu den Europapokalplätzen, was umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt, dass die Rheinpfälzer zwischen dem vierten und neunten Spieltag aus sechs Spielen nur einen einzigen Punkt geholt haben. Eine richtige Siegesserie starteten die 05er aber dennoch nicht und spätestens nach dem tristen 1:1-Remis am letzten Freitag beim 1. FC Nürnberg ist wieder eine gewisse Ernüchertung rund um den Bruchweg eingekehrt.

Da passt es eigentlich gar nicht, dass ausgerechnet morgen die in dieser Saison so stabile Borussia aus Mönchengladbach anreisen wird. Die Mannschaft vom Niederrhein hat am letzten Spieltag mit Schalke 04 einen lästigen Konkurrenten um die Champions-League-Plätze abgeschüttelt (2:1) und gleichzeitig zu Borussia Dortmund nach Punkten aufgeschlossen. Kein Wunder also, dass Tuchel seine Mannschaft vor dem morgigen Gegner warnt und prophezeit, dass "wir sehr schlau sein und taktisch ein perfektes Spiel machen müssen". Im Tor der Mainzer wird wieder Youngster Loris Karius stehen und der dürfte gegen das Offensiv-Trio Max Kruse, Patrick Herrmann und Raffael auch einiges zu tun bekommen. Da trifft es sich gut, dass Spielgestalter Elkin Soto nach Rotsperre wieder dabei sein wird und für einige spielerische Befreiungsaktionen sorgen kann. Mainz könnte mit einem Dreier wieder zu den Europapokalplätzen aufschließen, bei einer Niederlage würde jedoch die tabellarische Bedeutungslosigkeit drohen.

Die droht Mönchengladbach auf keinen Fall und so wird Borussen-Coach Lucien Favre seine Elf aller Voraussicht nach mal wieder nicht umstellen. Nationalspieler Kruse kämpfte unter der Woche zwar mit muskulären Problemen, meldete sich aber rechtzeitig fit. Mönchengladbach hat die letzten sechs Bundesligaspiele allesamt gewonnen und auch gegen Mainz 05 zuletzt vier Siege in Serie eingefahren.

 

Tipps der SSUT-Redakteure:
Sebastian Koch (seko): 1:2

Markus Schulze (ms): 1:2

Tobias Reith (tr): 1:3

Jan Geißler (jg): 1:2 

 

VfL Wolfsburg - VfB Stuttgart (Sa, 18.30 Uhr)

Klammheimlich und fast unbeobachtet hat sich der VfL Wolfsburg in den letzten Wochen zu einer echten Spitzenmannschaft entwickelt und ist nach zuletzt 17 Punkten aus sieben ungeschlagenen Spielen der erste Verfolger des Spitzen-Quartetts. Ja, bei den Wolfsburgern wächst eine Mannschaft heran, die unter der Regie des Duos Dieter Hecking/Klaus Aloffs den ersten vier Mannschaften in der Rückrunde sogar noch gefährlich werden könnte und, trotz aktuell fünf Punkten Rückstandes auf Platz drei, doch auf die direkte Champions-League-Qualifikation schielt.

Um die nicht aus den Augen zu verlieren, braucht die VW-Elf im Spitzenspiel am Samstag gegen den VfB Stuttgart einen Sieg. Verzichten muss Trainer Hecking allerdings wohl auf das brasilianische Mittelfeld-Duo Luiz Gustavo und Spielgestalter Diego. Gustavo, in dieser Saison wegen diversen Sperren schon mehrfach ausgefallen, kämpft noch mit Problemen im Adduktorenbereich und könnte durch Timm Klose ersetzt werden. Der Schweizer würde für Robin Knoche in die Innenverteidigung rutschen und Knoche auf die "Sechs" vor der Abwehr. Diego, der an der selben Stelle wie Gustavo Probleme hat, dürfte wie in Freiburg von Ivan Perisic ersetzt werden.

"Auch wenn die beiden nicht dabei sein können, sollten wir eine Mannschaft haben, die in der Lage ist, gegen den VfB zu gewinnen", wurde Hecking am Donnerstag im "kicker" zitiert und zeigte das neu gewonnene Selbstvertrauen bei den Wolfsburgern.

Von dem ist der VfB Stuttgart weit entfernt. Die anfängliche Euphorie nach dem Trainerwechsel von Bruno Labbadia auf Thomas Schneider ist verflogen und die Schwaben haben sich zur Wundertüte der Bundesliga entwickelt. Die Mannschaft schwankte in den letzten Wochen in ihren Leistungen beachtlich und ist dementsprechend schwer einzuschätzen.

Schneider könnte ein Luxus-Problem erwarten - der 40-Jährige stellte klar, dass der wiedergenesene Christian Gentner in die Mannschaft zurückkehren wird, ließ aber offen, wer dafür weichen müsste. Der ursprüglich dafür gedachte  Rani Khedira überzeugte in der letzten Woche beim Sieg gegen Hannover 96 und hätte es verdient, auch gegen Wolfsburg von Anfang an auflaufen zu dürfen.

 

Tipps der SSUT-Redakteure:
Sebastian Koch (seko): 3:1

Markus Schulze (ms): 2:1

Tobias Reith (tr): 2:2

Jan Geißler (jg): 0:2

 

am Wochenende spielen außerdem:
Hertha BSC - Werder Bremen (Fr, 20.30 Uhr)

Hannover 96 - 1. FC Nürnberg (Sa, 15.30 Uhr)

1899 Hoffenheim - Borussia Dortmund

FC Augsburg - Eintracht Braunschweig

FC Schalke 04 - SC Freiburg (So, 15.30 Uhr)

Bayer 04 Leverkusen - Eintracht Frankfurt (So, 17.30 Uhr)

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