Dortmund hat alles in der eigenen Hand / Schicksalspiel für Keller?

Sebastian Koch blickt auf die Champions League am Mittwoch.

(seko). Jubel bei Leverkusen, entsetzte Gesichter in München - es war eine kuriose und mittlerweile fast schon ungewohnte Situation, die sich den deutschen Fans gestern in der Champions League bot. Während die Spieler von Bayer Leverkusen auf dem Rasen in San Sebastian nach dem 1:0-Sieg den Achtelfinaleinzug feierten, waren die in dieser Saison eigentlich übermächtig wirkenden Bayern entsetzt über die eigene Leistung bei der 2:3-Heimniederlage gegen Manchester City, die den Münchnern fast noch Gruppensieg gekostet hätte.

In Leverkusen war Ömer Toprak der gefeierte Mann. Der türkische Nationalspieler erzielte in der 49. Minute das goldene Tor, das Bayer die Tür ins Achtelfinale öffnete, da Konkurrent Schachtjor Donzek zeitgleich Manchester United mit 0:1 unterlag. In München dagegen herrschte Rätselraten über die schlechteste zweite Halbzeit der Bayern seit Monaten. Die Münchner führten nach zwölf Minuten bereits mit 2:0, stellten dann aber das Spielen ein. Ein weiteres Tor der Engländer hätte der Mannschaft von Pep Guardiola sogar noch den Gruppensieg gekostet.

So retteten sich die Bayern aber gerade noch mit dem Gruppensieg ins Achtelfinale, wo auch Bayer Leverkusen steht und wo Borussia Dortmund und Schalke 04 heute Abend auch hinwollen. 

 

Die Ausgangslage auf Schalke zum Erreichen des Achtelfinals ist dabei relativ klar - gewinnen die Königsblauen gegen den FC Basel, stehen sie in der K.O.-Runde, bei einem Remis oder einer Niederlage steigt Schalke dagegen in die Europa League ab. Schalke ist demnach zum Siegen verdammt und für Trainer Jens Keller dürfte das Spiel gegen die Schweizer zu seinem ganz persönlichen Schicksalsspiel werden. Der seit Monaten angeschlagene Keller dürfte bei einem Ausscheiden aus der  Königsblauen aus der Königsklasse kaum noch zu halten sein und müsste seinen Stuhl wohl spätestens zur Winterpause räumen. Zuletzt war Schalke aus dem Pokal ausgeschieden und hat am Wochenende in der Liga den Anschluss an die Champions-League-Plätze verloren.

Für den aktuellen Bundesliga-Sechsten ist das Spiel gegen Basel allerdings nicht das erste "Endspiel" in der diesjährigen Champions-League-Saison. Bereits in der Qualifikationsrunde stand Schalke gegen PAOK Saloniki gehörig unter Druck und qualifizierte sich nach dem 1:1 im Hinspiel mit 3:2-Auswärtserfolg nur knapp für die Gruppenphase. Dass nach der schon wieder Schluss ist, glaubt Kapitän Benedikt Höwedes nicht: "Wir hatten ja schon mal ein Endspiel in Athen gehabt und da hat die Mannschaft gezeigt, dass sie es kann. Für uns ist erst mal wichtig, kein Gegentor zu fangen, um nicht noch mehr ins Hintertreffen zu geraten.", stellte der Verteidiger auf der Pressekonferenz klar.

Dass Basel in dieser Saison zweimal den FC Chelsea besiegt hat, gegen den Schalke in Hin- und Rückspiel jeweils mit 0:3 verloren hatte, bereitet Keller wenig Sorgen: "Ich will andere Spiele von anderen Mannschaften nicht kommentieren, wir konzentrieren uns nur auf uns".

 

Ganz anders ist die Situation der Dortmunder Borussia. Mit Glück und Schützenhilfe darf sich der BVB heute Abend sogar eine Niederlage bei Olympique Marseille erlauben. In diesem Fall darf der SSC Neapel zu Hause gegen Arsenal London allerdings keinen Punkt holen. Generell gilt für den heutigen Abend: Neapel darf auf keinen Fall mehr Punkte holen als Dortmund. Gewinnt Neapel gegen Arsenal, so ist auch die Borussia zum Siegen verdammt.

Auf dem Papier erscheint Marseille eine leichte Aufgabe zu sein. Schließlich sind die Franzosen mit erst vier Tore und keinem einzigen Punkt abgechlagen auf dem letzten Gruppenplatz. Allerdings hat sich die Personalsituation bei der Borussia seit dem verlorenen Spitzenspiel am Samstag gegen Bayer Leverkusen (0:1) noch einmal dramatisch verschlechtert. Mit Mats Hummels, Neven Subotic, Manuel Friedrich, Ilkay Gündogan, Marcel Schmelzer und Sven Bender fällt erneut die komplette Hintermannschaft aus. Zudem ist der Einsatz von Nuri Sahin ebenfalls fraglich. Gut möglich, dass deshalb der junge Koray Günter neben Sokratis im Abwehrzentrum verteidigen wird.

Trainer Jürgen Klopp ist sich sicher, dass Marseille trotz der Tabellensituation und wahrscheinlich auch wegen der eigenen Personalnot alles andere als ein leichter Gegner werden wird. Ja, Klopp warnt sogar und betont, dass Olympique "in allen Spielen gut" und "nie mal völlig raus" waren. Auf der Bank der Franzosen sitzt erstmals Interimstrainer José Anigo. Der bisherige Sportdirektor ersetzt Elie Baup, der am Wochenende entlassen worden war.

Das Spiel wird live im ZDF übertragen, Anstoß ist um 20.45 Uhr.

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