Erneut an Glaubwürdigkeit verloren

Sebastian Koch kommentiert die Wahl zum Weltfußballer 2013.

Jetzt ist sie also doch entschieden - die Wahl zum "Weltfußballer des Jahres 2013" endet mit dem Ablauf des heutigen Tages (29. November). Danach können die Nationaltrainer, deren Mannschaftskapitäne und ausgewählte Pressevertreter aus aller Welt keine Stimmen mehr abgeben. So teilte es zumindest die FIFA vor einigen Tagen mit.

Dass genau das nichts heißen mag, machte der Weltverband vor wenigen Wochen klar, als die Frist zur Stimmabgabe aus dubiosen und fadenscheinigen Gründen mal eben um mehrere Wochen verlängert wurde. Als Grund nannte die FIFA die schwache Wahlbeteiligung zum regulären Fristende. Wirklich seriös erscheint das jedoch nicht. Es ist schlicht ein Problem der FIFA, wenn die Nationalverbände nicht in der Lage sind, ihre Stimmen rechtzeitig abzugeben.

Wo kämen wir hin, wenn jede (politische) Wahl wiederholt werden würde, bis eine halbwegs akzeptable Wahlbeteiligung vorliegt? Nein, wenn eine Wahl beendet ist, ist sie beendet. Auch, wenn sich anstatt 90% nur 10% an der Abstimmung beteiligen. Die FIFA hat wieder einmal bewiesen, dass sie alles andere als seriös arbeitet.

Doch dem ist nicht genug - der Weltverband hat mit diesem Verhalten womöglich das Wahlergebnis entscheidend mitbeeinflusst. Der Verdacht liegt fast nahe, dass Sepp Blatter & Co. Cristiano Ronaldo als Weltfußballer lieber sehen als den Franzosen Franck Ribéry. Der Münchner ist Landsmann von UEFA-Boss und Blatter-Feind Michel Platini und dessen erklärter Favorit auf den Titel...

Nicht, dass der Portugiese die Auszeichnung nicht verdient hätte. Gewiss nicht. Der 28-Jährige spielt seit Jahren auf einem atemberaubend hohem Niveau und zeigte auch in diesem Kalenderjahr starke, ja zum Teil überragende Leistungen. Und dennoch wäre er bei einem regulären Termin gegen Ribéry wohl chancenlos gewesen.

So aber fließt Ronaldos Gala in den Play-Offs gegen Schweden in die Wahl mit ein. Gewollt oder ungewollt - die FIFA , und das muss man zugeben, verlängerte die Wahl vor Anpfiff des Rückspiels, bei dem Ronaldo die Portugiesen mit drei Toren alleine zur WM schoss. Bedenken muss man aber, dass eine solche Ronaldo-Show nicht ganz aus heiterem Himmel kam und die FIFA damit durchaus hätte rechnen können - oder gerechnet hat?

Bei all dem bleibt ein fader Beigeschmack. Ribéry hätte die Auszeichnung als Triple-Sieger allemal verdient. Die FIFA möchte aber wohl - in dem Jahr, in dem Dauer-Titelträger Lionel Messi keine Chance hat - den Portugiesen auszeichnen. 

Die FIFA hat ein weiteres Mal erheblich an Glaubwürdigkeit verloren.

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