Roger Federer: Der größte Spieler aller Zeiten?

Für Rod Laver und Rafael Nadal eine schwierige Frage. Federer gehört zwar zweifelsohne zu den ganz Großen des Tennissports. Für immer festlegen will sich aber keiner der Beiden.

 

(jg). „Wenn ich mir anschaue, was dieser Mann alles erreicht hat, dann muss ich sagen, dass er für mich der größte Spieler aller Zeiten ist“, schwärmt Laver über den Schweizer. Ob das immer so bleiben wird sei abzuwarten, Stand heute ist er es aber zweifelsohne.

 

Der Australier, der es als einziger Tennisspieler zustande gebracht hat, den Grand Slam zweimal zu gewinnen, ist vor allem von Federers Konstanz beeindruckt. Diese habe über einen Zeitraum von sechs bis acht Jahren den Unterschied zu Konkurrenten wie Rafael Nadal oder Novak Djokovic gemacht. Hinzu komme, dass Federer die Tenniswelt und die Geschichte dieses Sports liebe. „Ich habe immer gesagt, dass wenn du der Beste in deiner Epoche bist, kannst du nicht so viel falsch gemacht haben. Blickt man auf meine Zeit zurück, dann kommen neben mir auch noch Fred Perry und Don Budge in Frage“, stellt Laver klar.

 

Laver, der in diesem Jahr zum ersten Mal nach China gereist war, um die Shanghai Masters vor Ort zu verfolgen, saß in der ersten Reihe, als Federer gegen den Franzosen Gael Monfils schon in der dritten Runde verlor. Bereits vor dem Match sagte er, dass er die Schwierigkeiten Federers, sein Topniveau zu halten und weiterhin um die Titel bei Grand-Slam-Turnieren mitzuspielen, sehr gut verstehen könne. Er erinnere sich noch daran, als er die 30-Jahre-Grenze erreicht hatte. Am einen Tag spielte er exzellentes Tennis, am anderen lief nichts mehr zusammen. „Deshalb glaube ich auch nicht, dass es irgendetwas mit seinen Trainingsmethoden, der Fitness, oder mit seinem Körper zu tun hat“, ist Laver überzeugt, „vielmehr fehlt ihm an manchen Tagen einfach das notwendige Adrenalin, um ein Match zu gewinnen. Schon mehrmals habe ich bemerkt, dass es bei ihm Tage gibt, an denen es schlichtweg nicht sein soll. Und das, obwohl er am Tag davor großartig gespielt hat“.

 

 

„Er kann den Grand Slam gewinnen“

 

 

Wenn es darum geht, seine Heldentat zu wiederholen und somit als erst zweiter Spieler überhaupt den Grand Slam zu gewinnen, dann ist es Nadal, auf den Laver in Zukunft ganz genau schauen wird. Betrachtet man das vergangene Jahrzehnt, dann gab es einige Spieler, die innerhalb eines Jahres drei von vier Majors gewonnen haben. Doch weder Federer (2004, 2006, 2007), noch Nadal (2010), noch Djokovic (2011) gelang es alle vier Grand-Slam-Titel in einem Jahr zu holen. „Wenn ich mir anschaue wie Nadal speziell in dieser Saison auf Gras, Sand und Hardcourt gespielt hat, dann ist es naheliegend, dass er einer ist, der den Grand Slam gewinnen kann. Dessen Spiel auf Sand war es auch, warum Federer der Grand Slam all die Jahre über verwehrt blieb“, sagt Laver.

 

 

Federer oder Laver

 

 

Rafael Nadal hingegen ist sich sicher, dass er trotz seiner guten Bilanz von 22:10 Siegen gegen Federer nicht zu den Männern gehöre, die man in Erwägung ziehen müsse, wenn man den größten Tennisspieler der Geschichte benennen wolle: „Es ist zu 100%ig in Ordnung, dass die Leute sagen, Roger ist der Beste aller Zeiten. Jeder Spieler wird es schwer haben, seine Rekorde zu verbessern“, sagt Nadal. Auch betont er, dass sich Federers Erfolge nicht allein auf die 17 Grand-Slam-Titel reduzieren lassen: „Roger hat auch außerhalb der Grand-Slams eine unglaubliche Bilanz vorzuweisen.“

Rod Laver hingegen habe er leider nie live spielen sehen. Allerdings wüsste er über seine Leistungen Bescheid: „Er hat es geschafft alle vier Grand-Slam-Turniere einmal als Amateur sowie einmal als Profi zu gewinnen. Und gerade deshalb sollte man auch nicht über Roger und mich diskutieren. Nein, viel mehr über Roger und Rod Laver“

 

Er selbst sei nun 27 Jahre alt und habe in seiner Karriere mehr erreicht, als er je zu träumen gewagt habe. Für die Zukunft hoffe er nun gesund zu bleiben, um weiterhin die Chance zu haben den ein oder anderen Sieg einzufahren: „Ich werde hart arbeiten. Und wenn ich meine Karriere beendet habe, werden wir sehen wo ich meinen Platz in der Historie des Tennissports finden werde.“ Klingt fast so, als würde sich auch der Spanier noch Hoffnungen machen, irgendwann als der Größte Spieler der Geschichte in Erinnerung zu bleiben.

 

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