"Götze wird etwas erleben, was er noch nie erlebt hat"

Wenige Tage vor dem Bundesligaschlager gegen Bayern München haben wir uns mit Norbert Dickel, Stadionsprecher des BVBs, unterhalten. Mario Götze prophezeit er eine schwierige Rückkehr.

Norbert Dickel in seinem Element - als Stadionsprecher und ehemaliger Spieler ist er in Dortmund eine lebende Legende (Bild: Berliner Zeitung)
Norbert Dickel in seinem Element - als Stadionsprecher und ehemaliger Spieler ist er in Dortmund eine lebende Legende (Bild: Berliner Zeitung)

 

(ms/seko). Spiel, Satz und Tor: Herr Dickel, die erste Frage geht erst einmal um Neven Subotic. Können Sie uns sagen, wie es ihm geht?

 

Norbert Dickel (51): Das kann ich leider nicht so wirklich. Er wurde operiert. Die Operation verlief, soweit ich das mitbekommen habe, ganz gut. Mehr weiß ich leider auch nicht.

Ich hoffe, dass Neven bald wieder auf die Beine kommt. Er ist einfach so ein positiver Mensch und ein feiner Kerl. Mir tut das wahnsinnig leid für ihn.

 

SSUT: Das hoffen wir natürlich auch und wünschen ihm auf diesem Wege noch einmal eine gute Besserung.

Die Bundesliga dreht sich aber natürlich trotzdem weiter und am Samstag steht zu Hause, in Ihrem Stadion, der Schlager gegen die Bayern an. Ist das Spiel, nach der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg, für die Borussia schon ein Endspiel um die Meisterschaft?

 

N.D.: Nein, das ist totaler Quatsch. Wir haben noch mehr als eine ganze Rückrunde zu spielen und dementsprechend auch noch viele Chancen, Punkte gutzumachen. Wir wollen natürlich am Samstag gewinnen und bis auf einen Punkt zu den Bayern aufschließen. Das ist ganz klar. Dann bleibt es auch schön spannend da oben und ich bin der festen Überzeugung, dass wir das auch packen werden.

 

SSUT: Das Duell Dortmund gegen Bayern gab es schon einmal im Sommer im Supercup. Da hat die Borussia den FC Bayern mit 4:2 besiegt. Was sagt dieses Resultat über den kommenden Samstag aus?

 

N.D.: Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Das Spiel war in der Saisonvorbereitung und es waren auf beiden Seiten auch noch nicht alle Spieler an Bord oder in Topform. Von daher sind das am Samstag völlig andere Voraussetzungen.

 

SSUT: Wie tief sitzt denn in der Dortmunder Mannschaft noch der Stachel des verlorenen Champions-League-Finals?

 

N.D.: Vergessen. Vorbei. Ende. Aus. Und das nächste Mal die Bayern wieder ärgern. Punkt.

 

SSUT: Das ist eine klare Ansage. Das Spiel steht auch unter dem, Zeichen der Rückkehr von Mario Götze. Was wird ihn am Samstag im Signal-Iduna-Park erwarten?

 

N.D.: Er wird etwas erleben, was er so noch nie in seinem Leben erlebt hat.

 

SSUT: Inwiefern?

 

N.D.: Ja, es wird sicherlich ein gellendes Pfeifkonzert geben.

 

SSUT: Die Bayern haben sich da ja ein kleines Starensemble herangezüchtet. Schaut man da manchmal mit Neid in den Süden und welchen Spieler würden Sie gerne mal im BVB-Trikot sehen?

 

N.D.: Nein, mit so etwas beschäftige ich mich erst gar nicht. Ehrlich nicht. Weil auch wir haben eine Menge super Spieler und da muss ich gar nicht daran denken, welcher Bayernspieler mal im Trikot von Borussia Dortmund auflaufen sollte. Also das ist gar kein Thema.

 

SSUT: Kommen wir kurz auf die Champions League zu sprechen. Da schaut es für Ihr Team nicht wirklich gut aus. Warum kommt die Borussia doch noch ins Achtelfinale?

 

N.D.: Kurz und knapp: Weil wir die nächsten beiden Spiele gewinnen werden.

 

SSUT: Das ist das einfachste. Hoffen wir, dass sich das auch bewahrheitet.

Wenn in letzter Zeit über den BVB geschrieben und gesprochen wurde, ging es auch immer wieder um das leidige Thema „Pyrotechnik“ und die Ausschreitungen auf Schalke. Wie haben Sie die Szenen in Gelsenkirchen gesehen und bewertet?

 

N.D.: Das sind einzelne Irre und ich glaube, dass der Verein selbst da gar nicht mehr so viel tun kann und muss. Es gibt im Hinblick auf dieses Thema und die Vorfälle genügend Institutionen, die sich damit jetzt beschäftigen und wir müssen klarstellen: So kann es einfach nicht weitergehen.

 

SSUT: Wie ist denn Ihre persönliche Meinung zur Pyrotechnik in Stadien?

 

N.D.: Die hat im Fußballstadion auf Grund ihrer Gefährlichkeit nichts zu suchen. Punkt. Das ist auch kein Spaß, eine 1500 Grad heiße Fackel anzuzünden. Ich hoffe, diejenigen kommen irgendwann zur Besinnung und lassen diesen Scheiß einfach sein.

 

SSUT: Das ist eine klare Meinung, die so mit Sicherheit auch vertretbar ist. Wollen wir aber auch auf eine erfreulichere Meldung zu sprechen kommen: Roman Weidenfeller steht im Kader der Nationalmannschaft und wird heute Abend gegen England sein Länderspieldebüt geben. Wie hat er und das ganze Dortmunder Team darauf reagiert?

 

N.D.: Der ganze BVB freut sich tierisch darüber. Wenn man bei Roman auf die Facebook-Seite geht, sieht man, dass er das Trikot mit dem Adler mit Stolz trägt und ich persönlich finde, dass das auch schon ein paar Jahre überfällig ist. Das wird auch überall bestätigt, insbesondere durch die Rückmeldungen, die wir bei den sozialen Netzwerken sehen und erhalten.

 

SSUT: Wie groß schätzen Sie seine Chancen ein, auch bei der Weltmeisterschaft 2014 im Kader zu sein?

 

N.D.: Jogi Löw hat mit Manuel Neuer, der gesetzt sein wird, mit Sicherheit einen sehr guten Torhüter. Aber: Sollte der ausfallen, muss Löw trotzdem mit einem erfahrenen Keeper ins Turnier gehen und der kann nur Roman Weidenfeller heißen.

 

SSUT: Jürgen Klopp hat seinen Vertrag bei der Borussia langfristig verlängert. Kam das für Sie überraschend und wie haben Sie davon wann erfahren?

 

N.D.: (lacht). Irgendwann bekommt man das natürlich mit. Und wenn es nur über den Flurfunk kommt. Ich habe mich sehr darüber gefreut und da wir auch befreundet sind, habe ich ihm direkt eine SMS geschickt und ihm gesagt, wie sehr ich mich darüber freue, dass wir noch ein paar Jahre zusammenarbeiten. Er ist ein überragender Trainer und ein sensationeller Mensch.

 

SSUT: Sie haben gesagt, er sei ein überragender Trainer. Können Sie sich eigentlich noch einen anderen Trainer auf der Bank beim BVB vorstellen?

 

N.D.: Momentan nein.

 

SSUT: Wenn man über die Bundesliga spricht, muss man im Moment auch über das Phantomtor von Hoffenheim noch ein paar Worte verlieren. Da liegt die Diskussion um die Torlinientechnik natürlich nahe. Wie sehen Sie das? Ist es an der Zeit, dass sich der Fußball in der Beziehung öffnet und modernisiert?

 

N.D.: Ich bin grundsätzlich dafür, dass der Fußball so bleibt und ist, wie er wahr. Nur, wenn ein Ball eindeutig hinter der Linie ist, dann ist ein Ball eben eindeutig hinter der Linie. Und in der Beziehung kann und sollte man sich dann auch technischer Hilfsmittel bedienen können. Deshalb bin ich dafür, die Torlinientechnik so schnell wie möglich in irgendeiner Form einzurichten.

 

SSUT: Können Sie die Reaktion Hoffenheims nachvollziehen, gegen das Urteil des DFBs keine Revision einzulegen und das Phantomtor somit zu akzeptieren?

 

N.D.: Also wenn ich ganz ehrlich bin: Ich habe bei dieser Geschichte so vieles nicht verstanden. Für mich stand der Schiedsrichter in Blickrichtung Tor und muss eindeutig gesehen haben, dass der Ball neben das Tor geflogen ist. Und außerdem – und da kann man mir sonst was erzählen – hätte Stefan Kießling in dieser Situation anders reagieren müssen.

 

SSUT: Herr Dickel, wir bedanken uns für die Zeit, die Sie sich für uns genommen haben und wünschen Ihnen und dem BVB, bei aller journalistischen Neutralität, viel Erfolg für das Spiel gegen die Bayern.

 

N.D.: Vielen Dank.

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