Rücktritt unausweichlich

Sebastian Koch beschäftigt sich mit der Entwicklung im Fall Hoeneß

Jetzt also doch - lange haben die Fußballfans in Deutschland warten müssen, bis das Landgericht München II Stellung zum Fall Hoeneß bezieht. Manche mochten den Steuerskandal vielleicht schon vergessen haben. Doch spätestens seit heute Morgen ist er wieder in aller Munde und das zu Recht: Uli Hoeneß muss sich vor Gericht für seine Taten verantworten und das ist auch gut so.   

Aus meiner Sicht ist ein Rücktritt Hoeneß` vom Amt des Präsidenten und vom Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG jetzt unausweichlich. An beiden Posten hängt mehr als nur ein Fußballverein und Hoeneß würde mehr als nur dem Ansehen des Triple-Siegers schaden. Er würde auch dem Ansehen von Weltfirmen wie Adidas, Audi, VW und weiteren Wirtschaftsunternehmen, deren Vorsitzende im Aufsichtsrat beim Rekordmeister sitzen, schaden.         
Ja, und ganz nebenbei würde Uli Hoeneß an seinem eigenen Denkmal rütteln. Der 61-Jährige ist der personifizierte FC Bayern und muss in dieser Rolle Schaden von seinem Lebenswerk abwenden. Dass sich Verantwortliche und Fans in der Zeit nach der Selbstanzeige hinter den Ulmer gestellt haben, dürfte diesen mit Stolz erfüllt und ihm gezeigt haben, dass seine Arbeit und Erfolge im harten Alltagsgeschäft Fußball auch in schweren Zeiten gewürdigt wurden. Jetzt ist es aber an Hoeneß, diesen Status nicht zu verspielen. Nach dem Triple-Sieg hätte sich Hoeneß auf dem Höhepunkt seines Lebenswerks aus dem Verein zurückziehen können - diese Chance hat er leider nicht genutzt. Jetzt ist er fast zum Rücktritt gezwungen.   
Der Weltmeister von 1974 ist auch im Ausland einer der bekanntesten Deutschen und der FC Bayern ist ein seriös geführter Verein. Ein solcher kann von einem mutmaßlichen Steuerhinterzieher nicht repräsentiert werden. Es würde dem gesamten deutschen Fußball - nein: dem gesamten Sport in Deutschland - schaden. Hoeneß steht wie kein Zweiter für den Aufstieg Bayern München zum Weltverein und pochte zeit seines Lebens auf die Anerkennung seiner Leistungen. Doch nun muss er persönlich auch für seine Fehlleistungen Verantwortung übernehmen - ein Rücktritt ist deshalb unausweichlich.           
Der Fall Uli Hoeneß ist allerdings kein „Fall Lance Armstrong“ im Profifußball. Der FC Bayern darf und kann Hoeneß nicht aus seinen Annalen streichen. Hoeneß ist kein schlechter Mensch, hat in der Vergangenheit hohe soziale Kompetenzen bewiesen und viel für die deutsche Fußball-Kultur getan. Das sollten und dürfen wir bei all dem nicht vergessen.
Der FC Bayern sollte ihn zum Ehrenpräsidenten wählen. Das wäre für alle Beteiligten die sauberste Lösung – Hoeneß entgeht einem Spießroutenlauf und der Verein würdigt die großen Verdienste seiner Klub-Ikone.       
Dem gebürtigen Ulmer ist ein fairer Prozess zu wünschen. Bis zur Verurteilung gilt auch bei Hoeneß die Unschuldsvermutung und wir sollten im Sinne des deutschen Rechtsstaats hoffen, dass weder ein Promibonus noch ein -malus in dem Prozess eine Rolle spielen werden.

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