Fair-Play falsch ausgelegt

Sebastian Koch beschäftigt sich mit dem Urteil zum Phantomtor

Schade und aus meiner Sicht unverständlich - das Urteil im Fall des Phantomtors ist aus Sicht des Fair-Plays nur schwer nachvollziehbar. Umso mehr, weil sich die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen wohl selbst bei der ganzen Sache alles andere als wohl fühlen. Oft genug betonten Rudi Völler & Co., dass der Verein jede Entscheidung des Sportgerichts akzeptieren würde und gegen eine Spielwiederholung keinen Einspruch gegen den Urteil einlegen würden.
Unverständlich ist auch, mit welcher Überheblichkeit und scheinbarer Lockerheit der vorsitzende Richt Hans E. Lorenz in die Verhandlung ging und mit Sprüchen auf Kosten von Stefan Kießling dem Prozess einen faden Beigeschmack gab. Einem neutralen Richter stehen Sprüche wie "Jetzt haben Sie endlich mal ne Einladung vom DFB bekommen." in einer solch ernsten Angelegenheit wohl eher nicht zu.
Unverständlich und traurig ist, dass sich der DFB mit diesem Urteil hinter dem Fußballweltverband FIFA versteckt und die Äußerung der Fußball-Bosse als Vorwand für das eigene Urteil herhalten (könnten). Schade, dass der DFB als größer und mächtigster Nationalverband innerhalb der FIFA so wenig Selbstbewusstsein hat, um sich gegen Sepp Blatter & Co. zu stellen.
Lobend hervorgehoben muss die Rolle der TSG 1899 Hoffenheim werden. Der Verein verzichtet auf weitere rechtliche Schritte, zog den Einspruch gegen einen Regelverstoß von Schiedsrichter Felix Brych noch vor dem Urteil wegen vermeintlicher Aussichtslosigkeit zurück und bewahrt den (Welt)Fußball damit womöglich vor einem monatelangen Rechtsstreit. Über die ganze Woche hielten sich Verantwortlichen aus dem Kraichgau mit Forderungen und Schuldzuweisungen zurück und die Spieler gaben am letzten Samstag beim 4:1-Sieg in Hannover die Antwort auf dem Platz. Das ist vorbildhaft und wird dem ungeliebten Retortenklub eventuell bundesweit einige Sympathien einbringen.
Sympathien, die der Deutsche Fußballbund mit dem heutigen Urteil verspielt hat. Nicht nur das - der DFB verspielte eine große Chance für das Fair Play und stärkte damit vermeintlich den Schiedrichter. Dass das der Schiedsrichterschaft eventuell gar nicht so recht ist, bleibt dabei aber unbeachtet. Die Schiedsrichter müssen schließlich jenes Fair Play einhalten und für dessen Durchsetzung wöchentlich kämpfen.
Schade DFB, doch dieses Urteil macht den eigentlich Skandal noch skandalöser.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0