Fair-Play-Gedanke vor Tatsachenentscheidung

Sebastian Koch beschäftigt sich mit der DFB-Sportgerichtsverhandlung zum Phantom-Tor

Morgen ist es also endlich so weit - das DFB-Sportgericht tagt und verhandelt die skandalösen Ereignisse in Sinsheim (Hoffenheim) vor etwas mehr als einer Woche. Anders als bei den meisten Verhandlungen, in denen Sperren von Rot-Sündern besprochen werden, schaut bei diesem Prozess wohl die ganze Fußball-Welt auf das höchste deutsche Fußballgericht.
Dabei ist es traurig, dass der Ausgang der Verhandlung mehr als nur offen erscheint. Tatsächlich gibt es sogar eher die Tendenz, den Leverkusener 2:1-Sieg anzuerkennen. Einen Sieg, der durch ein Tor zu Stande kam, das man als solches nicht bezeichnen kann und möchte. Dabei kann der DFB scheinbar unbefangen urteilen, denn die Verantwortlichen von Bayer 04 kündigten im direkten Anschluss an das Spiel an, jedes Urteil akzeptieren zu wollen.
Der DFB sollte sich seiner Rolle als größter und bestorganisiertester nationaler Fußballverband der Welt bewusst sein und als solcher ein Urteil fällen, welches auch die FIFA zu akzeptieren hat. Der Weltverband spricht sich gegen ein Wiederholungsspiel aus, um die Schiedsrichter und deren Tatsachenentscheidungen zu schützen.
Als Schiedsrichter begrüße ich prinzipiell diese Haltung der FIFA, in diesem Fall kann ich sie allerdings nicht nachvollziehen. Die Situation am Freitag vor einer Woche war so absurd und konfus, dass auch den Unparteiischen kein wirklicher Vorwurf gemacht werden kann. So kann die FIFA einer Spielwiederholung zustimmen, ohne den Schiedsrichter zu schwächen. Das Urteil hebt keine Abseits- oder Handentscheidung auf. Das Urteil revidiert eine Schiedsrichter-Entscheidung, die als solche wohl einmalig ist und eine Ausnahmestellung in der Fußball-Historie einnimmt.
Wir können an das Sportgericht und die FIFA nur appellieren, den Fair-Play-Gedanken über den Schutz der Schiedsrichter zu stellen. Mit einer Spielwiederholung würden die Verantwortlichen auch präventiv handeln und möglichen Folge-Einsprüche zum Saisonende vorbeugen. Es könnte durchaus interessant werden, was passiert, wenn das Spiel gewertet wird und am Saisonende Hoffenheim ein Punkt für die Europapokalteilnahme fehlt, oder Leverkusen wegen zwei Punkten "zu viel" eventuell sogar Meister wird.
Aus diesem Grund: Wiederholt das Spiel, fällt ein Urteil, welches die FIFA als solches in (wenigen) vergleichbaren Fällen ebenfalls anwenden kann und hakt das (Nicht-)Tor ein für alle mal ab. Alles andere wäre ein noch größerer Skandal und ein Schlag ins Gesicht für den Fair-Play-Gedanken, den die FIFA seit Jahren vorantreibt.

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