Glosse

Sebastian Koch beschäftigt sich mit den Äußerung Sepp Blatters und einem Wetterphänomen, das in einer Wüste kaum vorhersehbar ist.

Es wird allmählich heiß in der Debatte um die WM-Vergabe 2022 nach Katar. Sepp Blatter persönlich gestand in den letzten zwei Tagen mehrfach Fehler in Bezug auf den Zuschlag für den Wüstenstaat ein. Ja, Ihr habt richtig gelesen: Joseph "Sepp" Blatter zeigt sich einsichtig. Besser spät als nie, werden sich einige denken. Er sich vielleicht auch.
Gleichzeitig stellt er den ohnehin schon angeschlagenen Fußballweltverband mit seinen Aussagen aber in einer Art und Weise dar, die ein solch peinliches Licht auf dessen Entscheidungsgremien wirft, dass es schon lächerlich wirkt.
Man habe die große Hitze nicht bedacht, als man die WM 2022 nach Katar vergab, sagte Blatter heute.

Mensch, es ist aber auch überraschend, dass es in dem Wüstenstaat an manch einem Sommertag im Juni/Juli mal etwas heißer werden könnte als 30 Grad. Das hätte sich eigentlich auch schon bis zum 2. Dezember 2010, dem Tag, an dem die Vergabe bekannt wurde, bei der FIFA herumgesprochen haben sollen.
Möglich wäre natürlich, dass so manch ein Funktionär an jenem 2. Dezember gar nicht gewusst hatte, wo Katar eigentlich liegt. Das kann ja durchaus sein. Auch ich musste erst einmal den Atlas aufschlagen.

Gut, ich kann für mich behaupten, dass ich an jenem Schicksalstag zumindest gewusst habe, dass das Land, das kaum größer als Hessen ist, jetzt nicht unbedingt im angenehm gemäßigten europäischen Klima liegt. Aber ich muss ja in der Hinsicht nicht zwangsläufig von mir auf andere schließen...es wird ja bestimmt den einen oder anderen geben, der das nicht gewusst hatte. Vielleicht auch im FIFA-Gremium.
Leute, das ist doch nicht schlimm. Man muss ja nicht alles wissen. Trotzdem wäre es vielleicht in Zukunft dennoch mal ratsam, sich VOR der Stimmenabgabe das Land mal auf der Weltkarte anzusehen.

Aber hey, was solls? Verlegt man die Weltmeisterschaft und den ein Jahr früher stattfindenden Confed-Cup halt mal ganz schnell in den Winter.

Das geht auch ganz einfach - man müsste nur den sonstigen FIFA-Kalender anpassen. Das ist doch kein Problem: Die Bundesligasaison 2019/20 endet dann beispielsweise am 16. Mai. Vom 23. Mai bis zum 9. Januar finden die 34 Bundesligaspieltage der Saison 2020/21 statt.
Ach ja, Mist! Da müssen ja auch noch irgendwo die Europapokal- und WM-Qualispiele reingequetscht werden. Macht nichts - innerhalb von sieben Monaten knapp 50 Spiele, das wird spaßig.

Dann folgt der Confed-Cup und am 13. Februar 2021 beginnt die Vor-WM-Saison. Die endet Mitte Dezember und am Silvesterabend gibt es anstelle von "Dinner for One" halt das WM-Eröffnungsspiel. Oma kann sich jetzt schon auf Silvester 2021/22 freuen.

Ganz nebenbei wird sich auch Internationale Olympische Komitee bei der FIFA bedanken, dass diese durch eine Winter-WM die Winterolympiade tatkräftig unterstützen wird. Eine Kollision der beiden Mega-Ereignisse ist nahezu ausgeschlossen und es werden sich eine Menge TV-Sender finden, die von 10-18 Uhr Wintersport und von 18-24 Uhr Fußball übertragen werden. In Deutschland werden sich ARD und ZDF über einen solchen sicherlich Rahmenkalender freuen.

Ihr seht – die Sache läuft. Und der Aufwand wird durch die stimmungsvolle WM mit Sicherheit entschädigt werden. Jetzt müsste man nur noch die Sache mit dem kulturellen Fußballgut schlechthin klären – dem Bier im Stadion. Aber das sprengt dann wirklich den Rahmen.

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