Die fabelhafte Welt der Fußballbosse

Sebastian Koch beschäftigt sich mit der EM 2020 und der WM-Vergabe 2022

Es sind schreckliche Nachrichten, die uns in dieser Woche aus Katar erreicht haben. 44 nepalesische und indische Arbeiter sind auf den Baustellen für die WM-Stadien 2022 gestorben. Unter sklavenartigen und unmenschlichen Bedingungen mussten sie arbeiten und sterben. Doch die FIFA scheint das nicht wirklich zu interessieren. Die versucht viel mehr einen Ausweg zu finden, wie man der unmenschlichen Hitze im Sommer 2022 entgehen kann. Der Hitze, in der die Arbeiter die Stadien bauen müssen – für einen Hungerlohn wohl gemerkt. Immerhin: Sepp Blatter & Co. haben doch schon knapp drei Jahre nach der Vergabe erkannt, dass es im katarischen Sommer etwas wärmer werden könnte.  Das Problem und die Verantwortung für die toten Arbeiter schiebt der Verband auf das Emirat Katar. Die FIFA könne dies nun mal nicht ändern und eine Neuvergabe der WM würde die Toten auch nicht wieder lebendig machen. So äußerte sich Blatter - sinngemäß - auf einer FIFA-Pressekonferenz über die Vorfälle.     Lieber Herr Blatter, natürlich trägt insbesondere die FIFA für die Zustände in Katar die Verantwortung. Die Arbeiter sind auf WM-Baustellen gestorben. Ohne den Zuschlag würde es diese nicht geben, ohne die würde es die 44 Toten nicht geben. Gewiss, die allgemeinen Lebensbedingungen der (wenigen) Armen in Katar werden nicht die besten sein und dafür kann die FIFA nun wirklich nichts. Allerdings: warum vergibt man dann an dieses Land eine Fußball-WM, Herr Blatter?     Wir müssen uns wohl darauf gefasst machen, dass diese Arbeiter nicht die letzten waren, die auf WM-Baustellen ums Leben gekommen sind. Das ist traurig, ändern wird das aber nichts. Zu viel Geld und Prestige pumpt die FIFA in das Projekt "Katar 2022". Zu viel Geld, um dieses Projekt jetzt noch zu stoppen. Zu oft haben sich Blatter & Co. jetzt schon gegen eine Neuvergabe ausgesprochen, um noch einen Rückzieher zu machen. Jaja, manchmal würde sich ein wenig Weitsicht auszahlen. Die Augen der entscheidenden Akteure waren in diesem Fall aber wohl mit Dollarzeichen belegt und blockiert.       Wir leben Gott sei Dank in Europa, wo wir solche Probleme nicht haben. Das einzige Problem in Fußball-Europa lässt sich auf einen Namen beschränken: Michel Platini. Der UEFA-Boss, der liebend gerne Sepp Blatter als FIFA-Chef ablösen will, verfällt allmählich dem Größenwahn und sein Konfrontationskurs gegenüber Blatter nimmt jetzt endgültig groteske Züge an. Die Europameisterschaften ab 2024 sollen mit südamerikanischen und asiatischen Teams aufgefüllt werden.      Eine wirklich ganz tolle Idee von Herrn Platini. Die Vorrundengruppe B der Europameisterschaft 2024 besteht dann aus Brasilien, Venezuela, Südkorea und Japan - das sind doch verlockende Aussichten. Wo da dann der Unterschied zur WM 2022 in Katar liegen soll, weiß ich nicht. Ach doch, die EM wird im Sommer bei angenehmen 28 Grad gespielt. Das ist der Unterschied zwischen WM und EM. Liegt auf der Hand...     Spaß beiseite - was für eine absurde Idee. Die paneuropäische EM 2020 kann man sich ja noch gefallen lassen. Ja, der Verband feiert Jubiläum. Ja, es ist mal etwas anderes. Ja, es wird (hoffentlich) eine Ausnahme bleiben. Ja...äh...Nein, eine richtige EM-Stimmung wird nicht aufkommen. Aber hey, was soll`s? Einmal können wir das ja vielleicht verkraften.  Aber ein EM-Finale Brasilien gegen Argentinien? Nein! Eine Europameisterschaft heißt so, weil sie europäisch ist! Gewiss, auch zum Gold Cup - dem nordamerikanischen Pendant zur EM - wurden mal "auserkontinentale" Teams eingeladen. Das waren Südamerikaner und zweimal der kommende WM-Gastgeber. Mittlerweile wurde das auch eingestellt.  Eine Europameisterschaft muss europäisch bleiben. Wir essen in einem französischen Restaurant ja auch keine Ente süß-sauer. Europa den Europäern, sagte schließlich einst schon James Monroe in dessen Doktrin. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer die Frage: In welcher Welt leben Sepp Blatter und Michel Platini eigentlich?

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