Vorfreude ist die schönste Freude?

Sebastian Koch beschäftigt sich mit dem Confed Cup.

 

 

Jetzt ist er also vorbei, der Confed-Cup. Ich muss zugeben, sportlich hat mich das Turnier mitunter sogar begeistert. Habe ich vor knapp zwei Wochen noch gewettert, das Turnier habe keinen sportlichen Wert, muss ich jetzt zugeben: es gab das ein oder andere interessante Spiel.

 

Das Finale gestern zum Beispiel - ein wahres Spektakel. Ein Fußballfest, wie man es sich für ein solches Turnier wünscht.  Außerdem waren da noch die sympathischen Kicker aus Tahiti, die zwar in drei Spielen ein Torverhältnis von 1:24 aufwiesen, jedoch Fans auf dem gesamten Erdball mit Herz, Kampf und Leidenschaft verwöhnten und Sympathien sogar bei gegnerischen Spielern gewannen. Das war großer Sport!     

 

Zu guter Letzt war da ja natürlich noch die Neuerung schlechthin im Weltfußball: die Torlinientechnik.  Nur blöd, dass es im gesamten Turnier keine "Tor-oder-nicht-Tor?"-Situation gab. Das konnte die FIFA natürlich so nicht auf sich sitzenlassen. Da führt man eine solche Neuerung schon mal nach gefühlt 642 Fehlentscheidungen ein und dann gibt es eine "Tor-oder-nicht-Tor"-Flaute - das geht ja nicht! Und so wurde, so konnte jedenfalls der Eindruck entstehen, im Spiel um Platz Drei mal schnell der falsche Torschütze (Diamanti) eingeblendet. Nur, um anschließend mit Hilfe der Torkamera beweisen zu können, dass doch Davide Astori der Torschütze war. Joa, das ganze Procedere dauerte zwar knapp 45 Minuten, aber nun gut - was soll`s? So hatte auch die neue Technik ihren ganz großen Auftritt und alle waren zufrieden... Mitnichten!

 

Denn überwiegend gab es vom Turnier Meldungen, die man nicht lesen, sehen oder hören möchte - Demonstrationen, Ausschreitungen, Verletzte, ja sogar Tote brachte dieses Turnier. So manch älterer Fan unter uns wird sich bei den Bildern aus Rio, Brasilia, Sao Paulo und weiteren Städten vielleicht an die WM 1998 in Frankreich erinnert haben, als bei gewaltsamen Ausschreitungen der Polizist Daniel Nivel von deutschen Hooligans fast zu Tode geprügelt wurde. Zugegeben, der Vergleich mag ob der unterschiedlichen Hintergründe etwas hinken – die Bilder glichen sich.     

 

Zwischendurch wurde in den letzten Tagen sogar über einen Turnierabbruch spekuliert. Diese Schmach jedoch wollte die FIFA nicht erleben und so wurde der Confed-Cup bis zum Ende durchgezogen, koste es was es wolle. Gott sei Dank hat Brasilien das Turnier gewonnen, dürfte sich FIFA-Präsidet Sepp Blatter wohl gestern Nacht gedacht haben. So gingen die zahlreichen Ausschreitungen während des Finals zumindest kurzzeitig unter und das ganze Turnier erlebte doch noch sein "Happy End". 

 

Dennoch bleibt am Confederations-Cup 2013 ein fahler Beigeschmack und die Vorfreude auf die WM in knapp einem Jahr ist zumindest getrübt. Fans, Verantwortliche und Spieler werden dann wohl mit einem etwas mulmigen Gefühl an die Copa Cabana fliegen und es bleibt zu hoffen, dass die brasilianische Regierung die versprochenen Reformen einleiten, umsetzen und die WM wirklich ein Fest der Freude werden wird.

 

 

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